Was war die Friedhofsbahn ?

 

 

Was war die Friedhofsbahn ?

 

Am 02. Juni 1913 wurde eine legendäre Eisenbahnlinie feierlich eingeweiht, die nach nur knapp   48 Betriebsjahren wieder stillgelegt, anschließend fast völlig abgebaut und heute so gut wie vergessen werden sollte.

Bei der feierlichen Eröffnungsfahrt konnte sicher noch keiner ahnen, dass diese nur vier Kilometer lange Bahnlinie bald viele Kapitel der deutschen Geschichte "durchfahren" würde: vom Kaiserreich, dem Nationalsozialismus, dem Kalten Krieg, der Deutschen Teilung sowie der Wiedervereinigung bis in das Jahr 2012, wo nach 99 Jahren das Schicksal der "alten Dame" von Berlin-Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf nun für immer besiegelt wurde.

Die sogenannte >Friedhofsbahn< war eine eingleisige Eisenbahnlinie und verband einst den im Jahre 1909 eröffneten Südwestfriedhof in Stahnsdorf mit Berlin-Wannsee, auf der ab 1928 auch die elektrischen Züge der Berliner S-Bahn fuhren.

Neben Fahrgästen und Gütern wurden auf dieser Bahnstrecke auch Särge mit Verstorbenen transportiert, was ihr später den Spitznamen >Friedhofsbahn< einbrachte.

Die Trasse begann einst in Berlin-Wannsee, führte über den Bahnhof Dreilinden und dem Teltowkanal direkt bis nach Stahnsdorf.

Im Nationalsozialismus in deren Pläne zur Umgestaltung der Reichshauptstadt in den 1940er Jahren, sollte auch diese Bahnstrecke stark in die Idee der Gigantomanie mit einbezogen werden. Auch spielte die Friedhofsbahn eine große Rolle bei den ersten Vorbereitungsarbeiten zur Umgestaltung der Reichshauptstadt.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde der Bahnverkehr auf der Friedhofsbahn spärlich wieder aufgenommen. Ab 1952 durften West-Berliner nicht mehr in die DDR einreisen und aufgrund der nun eingeführten Grenzkontrollen am S-Bahnhof Dreilinden, verlängerte sich die Fahrzeit der S-Bahn immens. Nicht nur der Fahrgastverkehr, sondern auch der Transport von Verstorbenen nach Stahnsdorf wurde nun erheblich erschwert.

In der Nacht zum 13. August 1961 wurde der S-Bahnverkehr auf der Friedhofsbahn nach nur 48 Betriebsjahren für immer eingestellt.

Die Friedhofsbahn war einst die Pulsader für den Südwestfriedhof in Stahnsdorf. Ohne diese Bahnverbindung wäre dieser sicher niemals einer der größten, bekanntesten und bedeutendsten Friedhöfe in Deutschland geworden.

Die >Friedhofsbahn> wurde stillgelegt, einige Jahre später abgebaut und heute ist sie fast vergessen.

Und mit ihr weitere, heute kaum in Erinnerung gebliebene Verkehrswege, die einst von der Friedhofsbahn auf ihrem Weg von Wannsee nach Stahnsdorf gekreuzt wurden. 

Auf den Spuren der Friedhofsbahn...stillgelegt, abgebaut, vergessen.

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